LC Markkleeberg unterstützt Seehaus Leipzig e.V.
Im Seehaus Leipzig e.V. können junge Männer in einer dritten Form des Strafvollzugs, d.h. weder im geschlossenen noch im offenen Strafvollzug, ihre Restgefängnisstrafe absolvieren, wenn sie hierfür geeignet und bereit sind, sich den Regeln des sogenannten Strafvollzugs in freien Formen anzupassen.
Einige Mitglieder des LC Markkleeberg haben das Gelände und die Wohngebäude des Seehaus Leipzig e.V., unmittelbar am Hainer See im Süden Leipzigs gelegen, – zum wiederholten Mal – besichtigt und die Möglichkeit erhalten, sowohl mit dem Einrichtungsleiter als auch einem jungen Mann, der unmittelbar vor der Entlassung steht, sprechen zu können. Die straffällig gewordenen jungen Männer leben in zwei Gebäudekomplexen jeweils zusammen mit Hauseltern und deren Kindern. Jede der beiden Hauselternfamilien kann bis zu sieben junge Männer aufnehmen. Ausgeschlossen von dieser Möglichkeit des Strafvollzugs sind Sexualstraftäter und/oder Männer, die schwerste Straftaten verübt haben. Drogensüchtige Strafgefangene werden ebenfalls nicht aufgenommen. Auch können keine Personen akzeptiert werden, deren (Rest-) Strafzeit kürzer als neun Monate ist und die die deutsche Sprache nicht als Umgangssprache sprechen.0
Der junge straffällig Gewordene hat berichtet, aus welchen Gründen er zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist, wie er ausgewählt worden ist und aus welchen Gründen er sich für den Vollzug seiner Reststrafe im Seehaus Leipzig entschieden hat. Er hat geschildert, dass die jungen Männer in der Regel in Doppelzimmern untergebracht sind, der Tag morgens um 5:30 Uhr beginnt und straff geplant ist. Gemeinsame Mahlzeiten, Hausarbeiten, Schule und Ausbildung sowie Sport finden jeweils auf dem Gelände statt. Fester Bestandteil ist zudem ein Bewertungs- und Belohnungssystem, mit dem sich die jungen Männer im Laufe ihres Aufenthaltes Frei räume erarbeiten können. Weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen der Straftat sowie u.a. ein Täter-Opfer Ausgleich. Gerade die beiden letztgenannten Bereiche bereiten vielen jungen Männern besondere Schwierigkeiten. Da sie es nicht gelernt haben und es nicht gewöhnt sind, sich kommunikativ mit ihrem eigenem Verhalten, den Auswirkungen dieses Verhaltens auf andere, den daraus ggfs. resultierenden zwischenmenschlichen Problemen sowie dem Ausgleich der Interessen aller Beteiligten auseinanderzusetzen. Im Lernprozess zu akzeptieren, dass Probleme nicht durch Gewalt zu lösen sind, ist langwierig und gelingt nicht immer. Gerade die letztgenannten Schwerpunkte sind der Grund dafür, dass die restliche Strafzeit nicht unter neun Monaten liegen kann und die deutsche Sprache umgangssprachlich beherrscht werden muss. Auch nach Beendigung des Aufenthalts im Seehaus Leipzig endet in den überwiegenden Fällen der Kontakt nicht, sondern die jungen Männer werden weiterhin begleitet und unterstützt, sofern dies notwendig und gewünscht ist.
Die Mitglieder des LC Markkleeberg waren – auch bei diesem Besuch – beeindruckt von dem Engagement des Einrichtungsleiters, der sich viel Zeit nahm, über das Konzept zu informieren und auch seine Argumente gegen die anhaltende Kritik an den freien Formen des Strafvollzugs vorzutragen.
Die Präsidentin LF Ines Agthe des LC Markkleeberg, der von der Wirksamkeit der Konzeption des Strafvollzugs in freien Formen überzeugt ist, hat dem Einrichtungsleiter zum Ende des Besuchs eine Spende i.H.v. 1.000 € überreicht und die Pflege des Kontakts sowie ggfs. zukünftig weitere Unterstützung zugesagt.
Susanne Klamann Pressesprecherin LC Markkleeberg
Bildunterschriften: Uwe Greischel, Scheckübergabe, Gespräch mit Einrichtungsleiter Paul Schneider und Bewohner
Galerie
